Historie of TTT

 

 

In den 60er Jahren waren wir hingerissen vom Gitarrenklang über den Verstärker und Box. Ganz schnell entwickelten sich alle möglichen Sounds für alle Instrumente. Mikrofone, Mischpulte, PA-Anlagen taten ein Übriges. Es krachte von allen Bühnen und das Spektakel Rock wurde ein Mythos.

Genau in dieser Zeit waren wir in dem Alter das tun zu dürfen und wir haben es getan.

Jedoch waren wir stets auf der Suche nach dem noch besseren Kick. Zu schnell vergehen die Jahre und dann bleibt Rock and Roll nur das immer wiederkehrende Etwas.

Alles wurde versucht von rockender Klassik bis zum freien improvisieren über Brechtgedichte .

Penck wollte auch Musik machen. Und das mit großer Berechtigung. Klassisch erzogen,

Pianoausbildung als Autodidakt , hatte Penck ein sehr musikalisches Gefühl entwickelt.

Seine Denkweise in der Malerei führte zu einer Abstraktion der Struktur sowie der Geschehnisse um die er sich bemühte sie festzuhalten, sprich dokumentieren. Er entrückte dieser Welt wenn er am Schlagzeug, Flöte oder Piano  improvisierte.

 

 

 

A.R.Penck

 

Mich hat das sehr beeindruckt, auch deshalb, da ich nachgespielte Soli unserer DDR Gitarristen verabscheute.

Der einzige Moment in Coverhits eigene Persönlichkeit zu zeigen wurde mit einem schlecht nachgespielten Soli verhindert.

Aus diesem Grunde fanden wir zueinander. Zwei starke Charaktere mit einem eigenen Willen, alles zu verändern was kommerzielle und langweilige Formen zeigte. Durch seine Spielweise erkannte ich schnell neue Dimensionen des Gitarre Spielens. So war die erste LP

„ Afrika Paranoia „ erste wilde Abstraktion der Besetzung Winkler-Wollny.

 

 

 

Wir spielten einfach los und versuchten während des Spielens zu kommunizieren, welches mehr oder weniger gelang. Egal, denn es führte zu einer inneren Ruhe und Ausgeglichenheit. Durch angeregte Diskussion vor und nach der Session vertiefte sich der Wille, diese Art und Weise zu musizieren ernsthaft zu gestalten.

Erst in London, in unserem Studio in der Fawe Street, hatten wir Ruhe und Muße das zu tun.

Das Ergebnis war bei aller Zufriedenheit zu Deutsch. Also fingen wir an Musiker mit verschiedenen musikalischen Auffassungen zu studieren und in unser Konzept einzubinden.

Wir sagten dem Rock and Roll ADE nach einer Studioaufnahme in Bad Homburg.

 

                     

Ansässige Musiker wie Lois T. Moholo waren die ersten die uns auf völlig freier Ebene begleiteten. Das erste öffentliche Konzert in der Royal Academy, anlässlich der Ausstellung Deutsche Malerei des 20. Jahrhunderts sprach für sich. Wir spielten den Saal einfach leer.

 

 

Royal Academy London

 

Danach ging es auf Suche in New York.

 

 

Loft in NY

 

Wir fanden was wir suchten. Butch Morris, den ernsthaften Dirigenten freier Musik  und einen verblüffenden Cornettisten . Frank Wrigth, der Saxophonist vor dem sich die meisten fürchteten mit ihm zu spielen. Frank Lowe, der in seinem Spiel exakt die abstrakten Elemente spielte, die wir suchten. Dennis King Charles, dessen Schlagzeug singen konnte. Billy Bang Walker, der mit seiner Violine das Herz zerreißen konnte. Jeanne Lee, die uns wie eine Mutter in die Arme nahm und betreute. Nicht zu vergessen Clarence C. Sharpe, der von irgend einem Underground Trip plötzlich auftauchte und sein Alto erstmal mit Gummiringen flott machte, trotzdem unverkennbar brillierte.

 

                           

Penck und Clarence C. Sharpe im Studio in NY                 F.Wrigth

 

Wilde Jahre mit wilden Leuten und wilder Musik folgten. 1988 hatten wir es geschafft  Frank Wrigth zu überzeugen nach Europa zu kommen. Er wohnte in Rotterdam und spielte mit allen Leuten die im Thelonius Club von Willem van Empel verkehrten. Willem war ein großer Verehrer von Frank Wrigth. So auch ein damals noch junger Drummer aus Holland  Coen Alberts. Jedes mal wenn wir einen Gig hatten holte ich Frank Wrigth dort ab und brachte ihn auch wieder zurück.

 

 

Butch dirigiert die große Besetzung TTT im ICA in London

 

Es gab viele Highlights in den Jahren auch mit Coen und Peter Kowald  und Lois T. Moholo.

Eins der schönsten war ein Konzert in Finnland zu den Jazztagen in Pori. Die Sonne ging nicht unter und wir auch nicht. 3 Tage Suff.

Zu einem Gig in der Kölner Alter Wartesaal begriff ich, das unsere Musik Penck-Wrigth-Wollny, ein Ziel erreicht hatte. Wir spielten zusammen aber auch jeder alleine. 3 Vögel im Wald fangen an zu singen. Diszipliniert, abstrakt und mit schon unheimlicher Energie.

Irgendwie hatten wir es geschafft.

 

               

 

Frank Wrigth hatte eine Freundin in Köln. So fuhr er abends gegen 21 Uhr in regelmäßigen Abständen nach Köln um sich mit Ihr zu treffen und Nachts wieder zurück. Da er fast jedes Mal auf dem Rückweg von der Polizei angehalten wurde, wahrscheinlich wegen seines Cowboy Hutes, blieb er dann über Nacht dort. Am 17. May 1990 erhielten wir die Nachricht, das Frank Wrigth verstorben ist.

Für uns ein unglaublicher Verlust vor allem weil er in dieser Zeit aufblühte und die Geborgenheit in unserer Mitte sehr genoss. Frank Wrigth hatte auch mit meiner Mutter ein sehr gutes Verhältnis, obwohl sie sich sprachlich kaum verständigen konnten. So redete jeder in seiner Sprache und man verstand sich blendend. Er war der einzige der zum Frühstück Bier trinken durfte, weil er Kaffe mit seinem Blutdruck nicht vertragen konnte. Bier makes him carm war die Entschuldigung. Dazu gab es dann aber echtes amerikanisches Frühstück: Hushbrowns, Egg easy over, Schinkenspeck und Marmelade.

 

      

Session in der Galerie Haus Schönblick             Pause zwischen den Auftritten

Wir organisierten die Hommage à  Frank Wrigth und luden alle Musiker ein die mit Frank Wrigth gespielt hatten. Von Frankreich kamen Bobby Few, Alan Silva, Sunny Murray.

 

             

 

Von Amerika kamen Edward Kidd Jordan, Jeanne Lee, Billy Bang und Butch Morris. Von den Deutschen waren da, Paul Lovens, Rüdiger Karl, Peter Kowald, Alex von Schlippenbach. Es folgten noch Noah Howart aus Belgien, Coen Alberts aus Holland und natürlich TTT.

 

Alan, Butch, Trudy, Jeanne und Gunter

 

C. Sharpe und Denis King Charles, denen wir das Geld für das Flugticket geschickt hatten, haben sich mit der Kohle aus dem Staub gemacht und komplett verdröhnt.

Eine Woche lang wurde in allen möglichen Formationen gejazzt, Filme aufgeführt, diskutiert, Pläne geschmiedet, Bilder gemalt, also Rundherum ein Erfolg in jeder Richtung, nicht zuletzt wegen der großzügigen Weinspende vom Winzer Wilfried Matthis aus Klingenmünster von der südlichen Weinstrasse.

Selbst Trudy Morse, die jahrelang Cecil Taylor begleitet und über die Morse Foundation gefördert hat interessierte sich für die Hommage. Sie hatte auf dem langen Flug Texte geschrieben, die sie selber vortrug.

Die Hommage war auch in den darauf folgenden Jahren ein abgerundeter Event im Bereich Malerei und Musik.

 

Für TTT jedoch erhob sich die Frage wie es mit dem Trio weitergeht. Frank Wrigth war nicht zu ersetzen. Wir veränderten das Konzept komplett und gaben die freie Stelle an Alan Silva weiter, dem es in Heimbach gefiel und er sowieso schon länger hier verweilte. Außerdem hatte er den Kontrabass mit dem Keyboard getauscht und seine Geräusche schafften eine neue Fläche. Dazu kam die Verbindung mit Kidd Jordan, Gunther Hampel, so dass in Folge sehr gute Konzerte gespielt wurden. Die Krönung dieser Zeit war ein Auftritt in der New Yorker

„ Kitchen“ mit Bill Dixon und Rashid Ali. Wir wohnten im Loft bei Edvins Strautmanis der dieses Konzert noch genießen konnte. Leider verstarb Edvins 3 Monate später.

 

Großes Bühnenbild TTT von Edvins Strautmanis mit Spielkarte von Martina Jess

 

 

 

Die Jazzrally in Düsseldorf und die Hommage à Frank Wrigth waren die Hauptevents in jedem Jahr.

Dann kam wieder ein Umbruch. Ralf  zog mit Petra nach Irland und erklärte nach einer verpatzten Ausstellung in Klagenfurt sehr sporadisch seinen Austritt.

Jedoch war nach einem kurzen Gespräch, Markus Lüpertz sofort bereit, den Platz als Pianist  zu besetzen. Somit waren die Grundlagen unserer Konzeption wieder hergestellt.